Glossar der Fußballtheorie

4-Phasen-Modell nach van Gaal Spielphasenmodell, das zwischen Ballbesitzphase, Gegen-den-Ball-Phase, offensiver Umschaltphase und defensiver Umschaltphase unterscheidet.
Abseitslinie Gedachte Linie auf Höhe des vorletzten verteidigenden Spielers oder des Balls, abhängig von der konkreten Spielsituation und Regelanwendung.
Absicherung Positionierung hinter, neben oder ballfern einer Aktion, um bei Ballverlust, überspieltem Mitspieler oder Abpraller Anschlusskontrolle zu haben.
Abwehrdreieck Temporäre Dreiecksstruktur aus einem herausrückenden oder abgesetzten Verteidiger und zwei absichernden Mitspielern der Linie oder Kette.
Abwehrkette Gruppe von Verteidigern, die sich in einer gemeinsamen Linie oder linienähnlichen Struktur organisiert und Abstände, Tiefe sowie Übergaben zueinander koordiniert.
Abwehrpressing Pressing in tieferen Zonen nahe des eigenen Tores, häufig mit enger Kompaktheit und kurzer Distanz zur letzten Linie.
Andribbeln Gezieltes Dribbling auf einen Gegenspieler oder eine Linie zu, um Gegner zu binden und dadurch Passwege oder Räume zu öffnen.
angreifende Mannschaft Mannschaft mit kontrolliertem Ballbesitz.
Angreifer Spieler der angreifenden Mannschaft.
Angriffspressing Pressing in hohen Zonen nahe des gegnerischen Tores oder gegen den gegnerischen Spielaufbau.
Außenspur Breiteste Spur auf einer Seite des Feldes, meist zwischen Seitenlinie und angrenzendem Halbraum.
Ball Zentraler Referenzpunkt des Spiels. Seine Position, Kontrollierbarkeit und Bewegungsrichtung strukturieren Ballbesitz, Pressing, Umschalten und viele Positionsentscheidungen.
Ballbesitz Kontrollierte Verfügbarkeit des Balls durch eine Mannschaft. Ballbesitz meint mehr als die letzte Ballberührung; bei freien oder umkämpften Bällen kann Ballbesitz zunächst unklar sein.
Ballbesitzphase Spielphase, in der die eigene Mannschaft den Ball kontrolliert und Angriffe vorbereitet, fortsetzt oder abschließt.
Ballbesitzwechsel Wechsel des kontrollierten Ballbesitzes von einer Mannschaft zur anderen; er löst meist Umschalten aus.
ballfern Vom Ball oder von der ballführenden Zone entfernt gelegen.
Ballführender Spieler, der den Ball kontrolliert und unmittelbar über Dribbling, Pass, Schuss oder Sicherung entscheiden kann.
Ballgewinn Moment, in dem eine Mannschaft kontrollierten Ballbesitz erlangt und häufig in die offensive Umschaltphase eintritt.
Ballhöhe Längskoordinate des Balls. Spieler stehen auf Ballhöhe, vor Ballhöhe oder hinter Ballhöhe.
ballnah In räumlicher Nähe zum Ball oder zur ballführenden Zone gelegen.
Ballorientierung Ausrichtung von Positionierung und Bewegung an der Position des Balls und der vom Ball ausgehenden Handlungsgefahr.
Ballverlust Moment, in dem eine Mannschaft kontrollierten Ballbesitz verliert und häufig in die defensive Umschaltphase eintritt.
Ballzirkulation Kontrolliertes Bewegen des Balls innerhalb der eigenen Mannschaft, um Gegner zu verschieben, Passwege zu öffnen oder günstige Angriffsräume vorzubereiten.
Binden Einen oder mehrere Gegenspieler durch Ballführung, Positionierung oder Laufweg so beschäftigen, dass für Mitspieler Raum oder Zeit entsteht.
Blockhöhe Vertikale Position des Mannschaftsblocks auf dem Feld, z. B. hoch, mittel oder tief.
Breite Horizontale Ausdehnung einer Mannschaft, Linie, Kette oder Spielsituation quer zur Spielrichtung.
Breitenbindung Besetzen breiter Positionen, um gegnerische Verteidiger horizontal zu binden und zentrale oder halbräumige Räume zu öffnen.
Breitenstaffelung Verteilung der Spieler über die horizontale Feldachse, um Räume zu öffnen, Gegner auseinanderzuziehen oder ballferne Anschlussoptionen zu schaffen.
Deckungsschatten Aus Sicht des Ballführenden durch einen Verteidiger verdeckter oder erschwert direkt anspielbarer Raum hinter diesem Verteidiger.
defensive Umschaltphase Zeit unmittelbar nach Ballverlust, in der die Mannschaft von Angriff auf Verteidigung umstellt.
Doppeln Gemeinsames Verteidigen zweier Spieler gegen den Ballführenden oder einen unmittelbaren Passempfänger, um Zeit, Raum und Auswege zu verknappen.
Doppelpass Zweipersonenkombination, bei der ein Spieler passt, unmittelbar weiterläuft und den Rückpass in besserer Position erhält.
Dreiecksbildung Anordnung von drei Spielern in Passwinkeln, sodass der Ballführende mindestens zwei Anschlussoptionen erhält.
Dritter Mann Kombinationsprinzip, bei dem ein Spieler, der nicht direkt anspielbar ist, über einen Zwischenempfänger oder eine Ablage ins Spiel gebracht wird.
Durchbruch Erfolgreiches Eindringen in eine gefährliche Zone hinter oder zwischen gegnerischen Linien, häufig als Vorbereitung eines Abschlusses.
Durchschieben Kollektives Nachrücken einer Linie oder Kette in eine neue Zuordnung, häufig wenn ein Spieler herausrückt und Mitspieler die entstehenden Räume schließen.
Fallenlassen Rückwärtsbewegung eines Spielers, einer Linie oder des Blocks, um Tiefe zu sichern, Räume hinter der Linie zu schließen oder Gegnerdruck zu reduzieren.
Flügelraum Äußerer vertikaler Feldkorridor nahe der Seitenlinie.
Formation Numerische Grundanordnung einer Mannschaft, z. B. 4-3-3 oder 3-4-2-1. Eine Formation beschreibt Positionen grob, aber noch nicht deren konkrete Ausführung im System.
freier Ball Spielsituation, in der keine Mannschaft den Ball kontrolliert und beide Mannschaften um den nächsten kontrollierten Kontakt konkurrieren.
Freilaufen Bewegung ohne Ball in eine anspielbare Position außerhalb von Deckungsschatten, Gegnerdruck oder geschlossenen Passwegen.
Fünferkette Abwehrkette aus fünf Spielern, typischerweise drei Innenverteidigern und zwei Außenverteidigern oder Flügelverteidigern.
Gegen-den-Ball-Phase Spielphase, in der die eigene Mannschaft nicht in Ballbesitz ist und den gegnerischen Angriff kontrollieren, verzögern oder den Ball gewinnen will.
Gegenbewegung Abgestimmte Laufbewegung in entgegengesetzter Richtung zu einem Mitspieler oder zur erwarteten gegnerischen Bewegung, um Raum zu öffnen oder Timing herzustellen.
Gegenpressing Sofortige Druckausübung nach eigenem Ballverlust, um den Ball zurückzugewinnen, den gegnerischen Konter zu verzögern oder unkontrollierte Anschlussaktionen zu erzwingen.
Gegenpressingzone Zone, in der eine Mannschaft nach Ballverlust bewusst sofortigen Zugriff herstellen will.
Gegenspieler Spieler der gegnerischen Mannschaft, der für eine konkrete Aktion, Zone oder Zuordnung relevant ist.
Gegner Gegnerische Mannschaft oder ein gegnerischer Spieler, dessen Position, Bewegung und Handlungsmöglichkeiten für eine konkrete Situation relevant sind.
Gleichzahl Situation, in der beide Mannschaften in einem relevanten Raum gleich viele Spieler besitzen.
Grundordnung Ausgangsstruktur einer Mannschaft in einer Spielphase. Die Grundordnung kann sich zwischen Ballbesitz, Verteidigung und Umschalten unterscheiden.
Gruppentaktik Menge der taktischen Prinzipien und Aktionen, die das koordinierte Verhalten mehrerer Spieler innerhalb einer Teilgruppe betreffen.
Halbraum Vertikaler Korridor zwischen Zentrum und Flügel. Bei einer Fünf-Spuren-Einteilung liegen die Halbräume zwischen Zentrumsspur und Außenspur.
Herausrücken Vorwärtsbewegung eines Verteidigers aus einer Linie oder Zone, um Druck auf Ball, Passempfänger oder Zwischenlinienraum herzustellen.
Hinterlaufen Laufweg eines Spielers hinter dem ballführenden Mitspieler entlang, meist außen, um eine breite Anschlussoption oder Verwirrung in der Zuordnung zu erzeugen.
hoher Block Mannschaftsblock mit hoher Positionierung, der den gegnerischen Aufbau früh unter Druck setzen soll.
horizontale Kettenkonformität Beschreibt, wie stark die horizontalen Abstände benachbarter Spieler einer Kette von einer gleichmäßigen Verteilung abweichen. Die Spieler werden nach ihrer Breitenkoordinate sortiert.
$D_i = |B_{i+1} - B_i|$ für $i = 1, \dots, n-1$
$D_\varnothing = \frac{\max(B_i)-\min(B_i)}{n-1}$
$\Delta_B = \frac{1}{n-1}\sum_{i=1}^{n-1}|D_i - D_\varnothing|$
$\text{KKonf}_B = \left(1 + \frac{\Delta_B}{\lambda_B}\right)^{-1}$, wobei
[$B_i$]: Breitenkoordinate des $i$-ten Spielers
[$\lambda_B > 0$]: zulässige Abstandstoleranz in Metern
Wichtig: Bei $n$ Spielern gibt es $n-1$ Zwischenräume; deshalb wird durch $n-1$ geteilt.
horizontale Kompaktheit Verdichtung auf der Querachse des Feldes, insbesondere geringe ballnahe Abstände und kontrollierte Breite des Blocks.
Höhe Position auf der Längsachse des Feldes relativ zum eigenen Tor oder zum gegnerischen Tor, z. B. hohe Abwehrlinie oder tiefer Block.
Individualtaktik Menge der taktischen Entscheidungen und Verhaltensweisen, die primär die Aktion eines einzelnen Spielers betreffen.
Isolation Gezieltes Freistellen eines Spielers in einer günstigen direkten Duellsituation, häufig ballfern nach vorheriger Überladung einer anderen Zone.
Isolieren Abtrennen des Ballführenden oder einer gegnerischen Gruppe von Anschlussoptionen, sodass deren Handlungsoptionen stark reduziert werden.
Kette Linienartige defensive Teilstruktur aus mehreren Spielern mit koordinierten Abständen, Höhen und Zuständigkeiten.
kettenkonform Eine Kette steht kettenkonform, wenn ihre Kettenkonformität eine definierte Kettenkonformitätsschwelle überschreitet.
Kettenkonformität Mittelwert aus vertikaler und horizontaler Kettenkonformität:
$\text{KKonf} = \frac{1}{2}(\text{KKonf}_T + \text{KKonf}_B)$
Die skalierte Form liegt bei geeigneten Parametern im Intervall $(0,1]$ und ist bei perfekter Ordnung wohldefiniert.
Kettenstaffelung Relative Anordnung der Spieler einer Kette in Tiefe und Breite, einschließlich Abständen, Sicherung und möglichem Herausrücken.
Klatschpass Direkte oder schnelle Ablage eines Passempfängers auf einen nachrückenden oder besser positionierten Mitspieler.
kompakt Eine Mannschaft oder ein Mannschaftsteil steht kompakt, wenn die relevante Kompaktheitsmetrik eine definierte Schwelle überschreitet oder gefährliche Räume kollektiv hinreichend verknappt werden.
Kompaktheit Maß für die räumliche Verdichtung einer Mannschaft oder eines Mannschaftsteils. Eine robuste Metrik ist die inverse, skalierte mittlere paarweise Distanz:
$\bar d = \frac{2}{m(m-1)} \sum_{i=2}^{m}\sum_{j=1}^{i-1} d_{ij}$
$\text{Komp}_\lambda = \left(1 + \frac{\bar d}{\lambda_K}\right)^{-1}$, wobei
[$m$]: betrachtete Spielerzahl, z. B. Feldspielerblock ohne Torwart
[$d_{ij}$]: Abstand zwischen Spieler $i$ und Spieler $j$
[$\lambda_K > 0$]: Toleranz- oder Skalierungsparameter in Metern
Konter Schneller Angriff unmittelbar nach Ballgewinn gegen eine noch ungeordnete gegnerische Mannschaft.
Lenken Defensives Steuern des gegnerischen Angriffs in eine gewünschte Zone, z. B. nach außen, in eine Pressingfalle oder auf einen schwächeren Fuß.
letzte Linie Tiefste verteidigende Feldspielerlinie vor dem eigenen Torwart. Sie bestimmt häufig die Abseitslinie und den Raum hinter der Abwehr.
Linie Mehrere Spieler auf ähnlicher Höhe oder mit gemeinsamer funktionaler Aufgabe, z. B. Abwehrlinie, Mittelfeldlinie oder Angriffslinie.
Linie überspielen Den Ball oder einen Spieler kontrolliert hinter eine gegnerische Linie bringen, sodass mehrere Gegner aus dem Spiel genommen werden.
Mannorientierung Ausrichtung eines Verteidigers an der Position und Bewegung eines Gegenspielers. Mannorientierung kann situativ sein und bedeutet nicht zwingend starre Manndeckung.
Mannschaft Kollektive Einheit der Spieler eines Teams, deren Verhalten durch Strategie, Spielidee, System und Taktik organisiert wird.
Mannschaftsblock Kollektive Defensivstruktur einer Mannschaft in Breite und Tiefe, meist bestehend aus mehreren Linien oder Ketten.
Mannschaftstaktik Menge der taktischen Prinzipien und Strukturen, die das Verhalten der Mannschaft als kollektive Einheit betreffen.
Matchplan Spielbezogene Konkretisierung von Strategie und Spielidee unter Berücksichtigung des Gegners, des eigenen Personals und der erwarteten Spieldynamik.
Mitspieler Spieler der eigenen Mannschaft, dessen Position, Bewegung und Anschlussfähigkeit für Passwege, Absicherung und gemeinsame Aktionen relevant sind.
Mittelfeldpressing Pressing im mittleren Feldbereich mit dem Ziel, den Gegner in kontrollierte Zonen zu lenken und dort Zugriff herzustellen.
mittlerer Block Mannschaftsblock im mittleren Feldbereich, der Raumkontrolle und Pressingzugriff verbindet.
Nachschieben Kollektives Vorrücken hinter einer Pressing- oder Angriffsaktion, um Abstände zu schließen und Anschlussdruck zu sichern.
numerische Überlegenheit Vorteil durch mehr eigene Spieler als gegnerische Spieler in einem relevanten Raum.
offene Stellung Körperstellung, die Sicht auf Ball, Gegner, Mitspieler und Spielrichtung ermöglicht und eine schnelle Anschlussaktion begünstigt.
offensive Umschaltphase Zeit unmittelbar nach Ballgewinn, in der die Mannschaft von Verteidigung auf Angriff umstellt.
Passempfänger Spieler, der als Ziel eines Passes in Frage kommt oder einen Pass erhält; seine Erreichbarkeit hängt häufig von Passweg, Passfenster und Deckungsschatten ab.
Passfenster Momentan offene Lücke, durch die ein Pass an Gegenspielern vorbei gespielt werden kann.
Passkanal Räumlich-taktischer Korridor oder eine Folge von Passfenstern, über die der Ball eine Zielzone oder einen Zielspieler erreichen kann. Ein Passkanal kann durch einen einzelnen Pass oder mehrere Pässe genutzt werden.
Passlinie Geometrische Linie oder Korridor, auf der ein Pass gespielt werden kann.
Passweg Direkte räumliche Verbindung zwischen Ballführendem und möglichem Passempfänger.
positionelle Überlegenheit Vorteil durch bessere Raumposition, Winkel, Körperstellung oder Position zwischen gegnerischen Linien.
Positionsspiel Ballbesitzorientierte Spielweise, die durch strukturierte Raumaufteilung Überlegenheiten erzeugen und den Ball kontrolliert in gefährliche Räume bringen soll.
Pressing Gezielte Druckausübung auf die ballbesitzende Mannschaft, um Räume und Zeit zu verknappen, Passwege zu kontrollieren und einen Ballgewinn, Fehlpass oder Rückpass zu erzwingen.
Pressingauslöser Erkennbares Signal für den Start oder die Intensivierung des Pressings, z. B. schlechter erster Kontakt, Rückpass, Querpass, Pass auf den Außenverteidiger oder Gegner mit geschlossener Stellung.
Pressingfalle Vorbereitete Situation, in die der Gegner bewusst gelenkt wird, damit dort Ballgewinnchancen durch Überzahl, Deckungsschatten und Zugriff entstehen.
Pressingzone Vorbereitete Zone, in der der Gegner unter Druck gesetzt und der Ballgewinn angestrebt wird.
Progression Raumgewinn in Richtung gegnerisches Tor durch Pass, Dribbling, Laufweg oder Kombination.
qualitative Überlegenheit Vorteil durch einen individuell oder rollenbezogen günstigeren Spieler in einer konkreten Spielsituation, z. B. ein starker Dribbler gegen einen isolierten Verteidiger.
Raum Bespielbarer Bereich des Feldes, der durch Ball, Mitspieler, Gegenspieler, Linien, Abstände und Zeitdruck taktisch wertvoll oder unzugänglich werden kann.
Raum im Rücken des Gegners Raum außerhalb des direkten Sicht- und Zugriffsfeldes eines Gegenspielers, häufig hinter dessen Linie oder Schulter.
Raumorientierung Ausrichtung von Positionierung und Bewegung an bespielbaren Räumen, Zonen, Abständen und der eigenen Mannschaftsstruktur.
Raumverknappung Verkleinerung des für den Gegner nutzbaren Raums durch Positionierung, Kompaktheit, Deckungsschatten, Gegnerdruck und geschlossene Passwege.
Rautenbildung Anordnung von vier Spielern in einer Raute, die Breite, Tiefe und diagonale Passwinkel verbindet.
Referenzpunkt Spielrelevanter Bezugspunkt für Wahrnehmung und Positionierung, insbesondere Ball, Raum, Mitspieler, Gegenspieler, Tor und Seitenlinie.
Restoffensive Positionierung der vorderen oder ballfernen Spieler während des eigenen Verteidigens, um nach einem Ballgewinn sofort anspielbar zu sein oder gegnerische Absicherung zu binden.
Restverteidigung Positionierung und Staffelung der eigenen Spieler im Ballbesitz, um nach einem möglichen Ballverlust sofort Zugriff herzustellen, Passwege in die Tiefe zu schließen oder einen Konter abzusichern.
Rolle Aufgabenprofil eines Spielers innerhalb eines Systems, unabhängig davon, ob seine nominelle Position gleich bleibt.
Rückraum Raum hinter der vordersten Angriffszone oder hinter einer unmittelbaren Drucksituation, oft als Anschlussraum für Ablagen oder zweite Bälle relevant.
Rückwärtspressing Druck auf Ball oder Passempfänger durch einen zuvor überspielten oder hinter der Aktion befindlichen Spieler.
Schnittstelle Raum zwischen zwei benachbarten Verteidigern einer Linie oder Kette.
Schnittstellenkanal Passkanal, der durch Schnittstellen mehrerer gegnerischer Linien oder Ketten führt.
Schnittstellenpass Pass durch die Schnittstelle einer gegnerischen Linie oder Kette.
Seitenwechsel Spielverlagerung von einer Spielfeldseite auf die andere.
Spielaufbau Geordnete Entwicklung eines Angriffs aus der ersten Linie oder aus tieferen Zonen mit dem Ziel, Druck zu lösen und Raumgewinn vorzubereiten.
Spieler Ein einzelner Akteur einer Mannschaft. Je nach Ballbesitz und konkreter Situation kann er als Mitspieler, Gegenspieler, Angreifer, Verteidiger, Ballführender oder Passempfänger relevant sein.
Spieleröffnung Erste kontrollierte Aktion oder Aktionsfolge nach Ballgewinn, Abstoß, Torwartbesitz oder ruhendem Ball zur Einleitung des Spielaufbaus.
Spielidee Grundlegende Vorstellung davon, wie eine Mannschaft Angriffe entwickeln, verteidigen, umschalten und Standardsituationen behandeln soll.
Spielkontrolle Fähigkeit einer Mannschaft, Ort, Tempo, Risiko und Anschlussoptionen des Spiels mit oder gegen den Ball zu bestimmen.
Spielphase Abschnitt des Spiels mit gemeinsamer taktischer Grundlogik. Zweckmäßig sind Ballbesitzphase, Gegen-den-Ball-Phase, offensive Umschaltphase und defensive Umschaltphase.
Spielprinzip Wiederkehrende Handlungsregel innerhalb einer Spielidee, z. B. Gegner binden, freie Räume nutzen, nach Ballverlust sofort Druck erzeugen oder in Ballnähe Überzahl herstellen.
Spielverlagerung Gezieltes Verlagern des Balls von einer Zone in eine andere, häufig von der ballnah überladenen Seite auf die ballferne Seite.
Spur Vertikaler Feldkorridor. Eine gebräuchliche Einteilung unterscheidet Außenspuren, Halbspuren und Zentrumsspur.
Staffelung Räumliche Anordnung von Spielern in unterschiedlichen Breiten, Tiefen und Winkeln, sodass Passoptionen, Absicherung und Anschlussaktionen entstehen.
Standardsituation Ruhende-Ball-Situation wie Freistoß, Eckball, Einwurf, Abstoß oder Strafstoß, für die häufig gesonderte Abläufe und Zuordnungen festgelegt werden.
stellen (Aktion) Positioniert sich ein Verteidiger vor oder seitlich vor dem Ballführenden, ohne sofort in den Zweikampf zu gehen, so stellt er ihn.
Strategie Übergeordneter, längerfristiger Handlungsrahmen, der Spielidee, Kaderprofil, Risikoprofil, Gegneranpassungen und taktische Prinzipien über einzelne Spielsituationen oder Spiele hinweg organisiert.
System Menge der Rollen, Prinzipien, Bewegungsmuster und Zuordnungen, mit denen eine Formation oder Grundordnung in den verschiedenen Spielphasen ausgeführt wird.
Taktik $T = (S_P, R_A, \Omega)$, wobei
[$S_P$]: Menge der taktischen Vorgaben, Prinzipien oder Anweisungen
[$\Omega$]: Menge der möglichen Spielsituationsausführungen
[$R_A \subseteq S_P \times \Omega$]: Relation zwischen Vorgaben und möglichen Ausführungen
$R_A$ ist linkstotal, wenn jede Vorgabe mindestens eine mögliche Ausführung besitzt. $R_A$ ist im Allgemeinen nicht rechtseindeutig, da dieselbe Vorgabe je nach Gegner, Raum, Zeitdruck und Mitspielerposition mehrere zulässige Ausführungen haben kann.
Tiefe Vertikale Ausdehnung in Spielrichtung. Tiefe kann den Abstand zum eigenen Tor, zum gegnerischen Tor oder zwischen Mannschaftsteilen beschreiben.
Tiefenbindung Besetzen oder Belaufen tiefer Positionen, um gegnerische Linien nach hinten zu binden und Zwischenräume zu öffnen.
Tiefenlauf Laufweg in Richtung gegnerisches Tor, meist in den Raum hinter eine Linie oder in den Rücken eines Verteidigers.
Tiefenraum Raum hinter einer gegnerischen Linie, insbesondere hinter der letzten Linie.
Tiefenstaffelung Verteilung der Spieler über die vertikale Feldachse, um Linien zu binden, Zwischenräume zu besetzen und Anschlussoptionen vor sowie hinter dem Ball zu schaffen.
tiefer Block Mannschaftsblock nahe des eigenen Tores, der gefährliche Räume schützt und den Gegner häufig vor dem Block halten soll.
Umschalten Kollektive und individuelle Anpassung von Positionen, Wahrnehmung und Handlungszielen nach einem Ballbesitzwechsel.
Umschaltmoment Der kurze Zeitraum direkt nach Ballgewinn oder Ballverlust, in dem Ordnungen oft instabil sind und schnelle Entscheidungen besonders wirksam werden.
Unterlaufen Laufweg eines Spielers innen am ballführenden Mitspieler vorbei, häufig in den Halbraum oder Zwischenlinienraum.
Unterzahl Situation, in der eine Mannschaft in einem relevanten Raum weniger Spieler als der Gegner besitzt.
Verschieben Ball-, raum- und mitspielerorientierte Bewegung einer Mannschaft, Linie oder Kette zur Anpassung von Kompaktheit, Zugriffsmöglichkeiten und Passwegkontrolle.
verteidigende Mannschaft Mannschaft ohne kontrollierten Ballbesitz.
Verteidiger Spieler der verteidigenden Mannschaft.
vertikale Kettenkonformität Beschreibt, wie stark die Tiefenpositionen der Spieler einer Kette von einer gemeinsamen Linie abweichen.
$T_\varnothing = \frac{1}{n}\sum_{i=1}^{n} T_i$
$\Delta_T = \frac{1}{n}\sum_{i=1}^{n}|T_i - T_\varnothing|$
$\text{KKonf}_T = \left(1 + \frac{\Delta_T}{\lambda_T}\right)^{-1}$, wobei
[$n$]: Anzahl der Spieler in der Kette
[$T_i$]: Tiefenkoordinate des $i$-ten Spielers
[$\lambda_T > 0$]: zulässige Tiefentoleranz in Metern
vertikale Kompaktheit Verdichtung auf der Längsachse des Feldes, insbesondere geringe Abstände zwischen Abwehr-, Mittelfeld- und Angriffslinie.
Viererkette Abwehrkette aus vier Spielern, typischerweise zwei Innenverteidigern und zwei Außenverteidigern.
Vororientierung Wahrnehmung von Raum, Gegnern, Mitspielern und Anschlussoptionen vor der eigenen Ballannahme.
Wandspieler Spieler, der unter Gegnerdruck einen Pass festmacht oder direkt ablegt, um eine Anschlussaktion für Mitspieler zu ermöglichen.
Zentrum Zentraler vertikaler Feldkorridor, der häufig besonders wertvoll ist, weil von dort viele Anschlussoptionen in beide Richtungen bestehen.
Zielspieler Spieler, auf den eine Aktion ausgerichtet ist, etwa ein langer Ball, eine Ablage, ein Schnittstellenpass oder eine Flanke.
Zone Räumlich abgegrenzter oder funktional verstandener Bereich des Feldes, der durch Raum, Ball, Gegenspieler und Mitspieler eine bestimmte taktische Bedeutung erhält.
Zonenverteidigung Defensivprinzip, bei dem Verteidiger primär Räume und Übergabezonen kontrollieren, statt dauerhaft einem einzelnen Gegenspieler zu folgen.
Zugriff Möglichkeit, den Ballführenden oder eine Anschlussoption unmittelbar unter Druck zu setzen, zu attackieren oder zum Fehler zu zwingen.
zweiter Ball Ball, der nach einem unkontrollierten ersten Kontakt, Abpraller, Kopfballduell oder Klärungsversuch frei wird und erneut erobert werden kann.
Zwischenlinienraum Raum zwischen zwei Linien oder Ketten der verteidigenden Mannschaft, z. B. zwischen Abwehr- und Mittelfeldlinie.
Übergeben und Übernehmen Defensiver Abstimmungsprozess, bei dem ein Gegenspieler oder Raum aus der Zuständigkeit eines Spielers in die Zuständigkeit eines Mitspielers wechselt.
Überladung Gezieltes Herstellen von Überzahl oder Präsenz in einem bestimmten Raum, um dort Kontrolle zu erlangen oder den Gegner dorthin zu ziehen.
Überzahl Situation, in der eine Mannschaft in einem relevanten Raum mehr Spieler als der Gegner besitzt.