Eine Funktion f ist an einer Stelle x0 stetig, wenn sie dort keine Sprünge, Lücken oder Unterbrechungen aufweist. Das bedeutet, dass der Funktionswert an der Stelle x0 dem Grenzwert der Funktion für x gegen x0 entspricht.
Formelle Definition
Sei f:D→R eine Funktion und x0∈D ein Punkt. Die Funktion f ist an der Stelle x0 stetig, wenn die folgenden drei Bedingungen erfüllt sind:
- Der Funktionswert f(x0) ist definiert.
- Der Grenzwert limx→x0f(x) existiert.
- Der Grenzwert ist gleich dem Funktionswert:
x→x0limf(x)=f(x0)
Alternativ, mit der ϵ-δ-Definition:
Die Funktion f ist an der Stelle x0 stetig, wenn für jedes ϵ>0 ein δ>0 existiert, sodass für alle x∈D gilt:
$$
|x - x_0| < \delta \implies |f(x) - f(x_0)| < \epsilon
$$
Geometrische Interpretation
Eine Funktion ist stetig, wenn man ihren Graphen ohne den Stift abzusetzen zeichnen kann. Es gibt keine "Löcher" oder "Sprünge" im Graphen.
Beispiel
- Die Funktion f(x)=x2 ist an jeder Stelle x∈R stetig, da der Graph eine durchgehende Parabel ist und keine Unterbrechungen aufweist.
- Die Funktion $g(x) = \begin{cases} 1 & \text{für } x \ge 0 \\ 0 & \text{für } x < 0 \end{cases}$ ist an der Stelle $x=0$ nicht stetig, da an dieser Stelle ein Sprung vorliegt. Der Grenzwert von links ist 0, der Grenzwert von rechts ist 1, und $f(0)=1$. Der Grenzwert existiert nicht, da links- und rechtsseitiger Grenzwert nicht übereinstimmen.