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    <title>lehnert.dev Blog</title>
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    <lastBuildDate>Sat, 30 May 2026 00:00:00 +0000</lastBuildDate>
    <item>
        <title>50+1 und die Werkself des VW-Konzerns</title>
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        <pubDate>Sat, 30 May 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
        <description>Wolfsburgs Abstieg fühlt sich für viele wie ein Sieg der Gerechtigkeit an. Aber wer glaubt, damit sei für 50+1 viel gewonnen, macht es sich etwas zu leicht. Denn das eigentliche Problem ist nicht nur, wem ein Club gehört, sondern wer ihn de-facto kontrolliert, und ob man den Fans realen Zugang zu Mitbestimmung gewährt.</description>
        <content:encoded><![CDATA[<h1>50+1 und die Werkself des VW-Konzerns</h1>
<p>30. Mai 2026</p>

<p>
    Wolfsburgs Abstieg fühlt sich für viele wie ein Sieg der Gerechtigkeit an. Aber wer glaubt, damit sei für 50+1 viel gewonnen,
    macht es sich etwas zu leicht. Denn das eigentliche Problem ist nicht nur, wem ein Club gehört, sondern wer ihn de-facto kontrolliert,
    und ob man den Fans realen Zugang zu Mitbestimmung gewährt.
</p>

<p>
    Genau deshalb ist die Häme so aufschlussreich: Sie richtet sich nicht nur gegen einen sportlich gescheiterten Verein, sondern
    gegen das, wofür Wolfsburg im deutschen Fußball steht: Kommerz und das Gegenteil von sportlich verdientem Erfolg. Deshalb sei Wolfsburg
    in den Augen vieler zu Recht abgestiegen <span class="citation">[<a href="https://lehnert.dev/blog/0000.html#source-1" aria-label="Quelle 1">1</a>, <a href="https://lehnert.dev/blog/0000.html#source-2" aria-label="Quelle 2">2</a>, <a href="https://lehnert.dev/blog/0000.html#source-3" aria-label="Quelle 3">3</a>, <a href="https://lehnert.dev/blog/0000.html#source-4" aria-label="Quelle 4">4</a>]</span>. Besonders eindrücklich lässt sich diese Missgunst aber in Kommentaren unter
    Instagram-Beiträgen erleben <span class="citation">[<a href="https://lehnert.dev/blog/0000.html#source-5" aria-label="Quelle 5">5</a>]</span>:
</p>

<blockquote>
    FUSSBALL HAT GEWONNEN<br>
    [3392 likes]
</blockquote>

<blockquote>
    Junge was ein geiler Saisonabschluss, Wolfsburg endlich runter<br>
    [1427 likes]
</blockquote>

<blockquote>
    Nie mehr 1. Liga, nie mehr, nie meeeehr! Auf nimmer wiedersehen Wolfsburg.<br>
    [425 likes]
</blockquote>

<p>
    VW will sein Tochterunternehmen <span class="citation">[<a href="https://lehnert.dev/blog/0000.html#source-7" aria-label="Quelle 7">7</a>]</span> jetzt mit Abermillionen aus der „Krise“ ziehen <span class="citation">[<a href="https://lehnert.dev/blog/0000.html#source-6" aria-label="Quelle 6">6</a>]</span>.
    Und ein konsequentes Durchsetzen von 50+1 könnte daran einfach überhaupt nichts ändern.

    Ein Problem mit 50+1 ist eben, dass es keine unternehmerischen Geldflüsse hinein in die Welt der Vereine
    untersagt. Und damit nicht genug. 50+1 schafft es nicht einmal zu verhindern, dass Investoren mitbestimmungsfeindliche
    Strukturen etablieren und einen Verein somit de-facto übernehmen. Dass dem auch wirklich so ist, lässt sich
    erstaunlich anschaulich am Beispiel von RB „Red Bull“ Leipzig in Erfahrung bringen <span class="citation">[<a href="https://lehnert.dev/blog/0000.html#source-8" aria-label="Quelle 8">8</a>]</span>:
</p>

<blockquote>
    Es gibt nur neun stimmberechtigte Mitglieder, im Vorstand sitzen nur Red Bull Mitarbeiter, keiner der Herren lebt in Leipzig.
</blockquote>

<p>
    Dieser Bericht ist zwar von 2012 und heute mehr als zwölf Jahre alt, trotzdem hat sich bei Red Bull Leipzig wenig getan. Erst
    im vergangenen Jahr kritisierte das Bundeskartellamt die immer noch in sehr ähnlicher Form vorhandenen Vereinsstrukturen <span class="citation">[<a href="https://lehnert.dev/blog/0000.html#source-9" aria-label="Quelle 9">9</a>]</span>.
</p>
<p>
    Wirklich verbessert hat sich das nur quantitativ, nicht etwa strukturell. Red Bull Leipzig hatte zuletzt nicht mehr nur neun,
    sondern laut Bericht zur Mitgliederversammlung 2026 knapp 1.200 Mitglieder, nur 22 davon mit Stimmberechtigung <span class="citation">[<a href="https://lehnert.dev/blog/0000.html#source-10" aria-label="Quelle 10">10</a>]</span>. Die Namen
    dieser 22 werden scheinbar absichtlich nicht bekanntgegeben.
</p>
<p>
    Noch verhängnisvoller ist allerdings die Auswahl der Mitglieder, die eine Stimmberechtigung erhalten sollen <span class="citation">[<a href="https://lehnert.dev/blog/0000.html#source-11" aria-label="Quelle 11">11</a>]</span>:
</p>

<blockquote>
    Es ist bei Rasenballsport von Beginn an Vereinsphilosophie, dass nur ausgewählte, für den Klub oder den Red-Bull-Konzern tätige
    und nützliche Personen abstimmungsberechtigte Mitglieder werden können.
</blockquote>

<p>
    Problematisch ist hier nicht etwa, dass Red Bull derart vorgeht, sondern vielmehr dass die DFL über Jahre zugelassen hat, dass
    50+1 formal erfüllt, aber seinem demokratischen Sinn nach ausgehöhlt wird. Dabei scheint das Interesse der Fans dasjenige zu sein,
    das der DFL am Wenigsten am Herzen liegt.
</p>

<p>
    Wikipedia bescheibt 50+1 wiefolgt <span class="citation">[<a href="https://lehnert.dev/blog/0000.html#source-13" aria-label="Quelle 13">13</a>]</span>:
</p>

<blockquote>
    Die 50+1-Regel wurde vom DFB am 24. Oktober 1998 eingeführt. […] Damit sollte für Lizenzvereine ein Rahmen geschaffen werden,
    ihre Profifußball-Mannschaften in Kapitalgesellschaften umwandeln zu können und gleichzeitig die Macht von Geldgebern zu begrenzen.
    […] eine Kapitalgesellschaft [kann] nur eine Lizenz erhalten […], wenn der „Mutterverein“ mindestens „50 Prozent zuzüglich (...)
    eines weiteren Stimmanteils“ innehat. […] Erlaubt ist hingegen, dass sich die Mehrheit des Kapitals im Eigentum privater Investoren
    befindet.
</blockquote>

<p>
    50+1 regelt also lediglich die formale Stimmrechtskontrolle, nicht aber die de-facto Kontrolle eines Clubs. Ja, Besitzverhältnisse
    bei in solcher Stärke kulturell bedeutenden Entitäten gehören reguliert und überwacht. Dass die Fairness in der Kaderbildung
    von derartigen Regulierungen aber eigentlich kaum bis gar nicht beeinflusst wird, hört man recht selten. Stattdessen
    wird fast ausschließlich und bis zum Umfallen über 50+1 diskutiert, ohne dass sich Gedanken darüber gemacht werden, ob damit
    überhaupt das wirklich zugrundeliegende Problem behandelt wird.
</p>

<p>
    Geld schießt keine Tore. Aber Geld kauft fast alles, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass irgendwann jemand Tore schießt:
    Kaderbreite, Scouting, Trainerstäbe, Akademien, Datenabteilungen, Geduld und Fehlerkorrektur. Genau deshalb reicht es nicht,
    nur Besitzverhältnisse zu diskutieren. Die Frage ist, wer im Fußball Macht hat, und ob für die Clubs und die DFL ihre Fans
    mehr sind als nur die zahlende Kulisse.
</p>

<section class="bibliography" aria-labelledby="bibliography-title">
<h2 id="bibliography-title">Quellen</h2>
<ol>
<li id="source-1" value="1"><a href="https://web.de/magazine/sport/fussball/bundesliga/abstieg-bundesliga-gut-42314092" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ein Abstieg, der der Bundesliga gut tut</a><br>Julian Münz<br>27.05.2026, 14:32</li>
<li id="source-2" value="2"><a href="https://www.spiegel.de/sport/fussball/abstieg-des-vfl-wolfsburg-der-club-der-so-viel-falsch-gemacht-hat-ein-kommentar-a-89fb6d83-f424-4bbd-8621-167773246cc3" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Geld schießt auch mal Eigentore</a><br>Peter Ahrens<br>26.05.2026, 12:41</li>
<li id="source-3" value="3"><a href="https://taz.de/Abstieg-des-VfL-Wolfsburg-Die-Illusion-von-Gerechtigkeit-aufrecht-erhalten/!6181987/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Abstieg des VfL Wolfsburg: Die Illusion von Gerechtigkeit aufrecht erhalten</a><br>Gunnar Hinck<br>26.05.2026, 17:42</li>
<li id="source-4" value="4"><a href="https://www.tagesspiegel.de/sport/erster-abstieg-des-vfl-wolfsburg-auch-die-vw-millionen-kann-das-totalversagen-im-management-nicht-kaschieren-15638825.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Erster Abstieg des VfL Wolfsburg: Auch die VW-Millionen können das Totalversagen im Management nicht kaschieren</a><br>Benedikt Paetzholdt<br>26.05.2026, 11:01</li>
<li id="source-5" value="5"><a href="https://www.instagram.com/p/DYxq38NDV34/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EILMELDUNG: Paderborn feiert Aufstieg, Wolfsburg steigt erstmals aus der Bundesliga ab</a><br>kicker via Instagram<br>25.05.2026</li>
<li id="source-6" value="6"><a href="https://www.sueddeutsche.de/sport/wolfsburg-abstieg-kader-trainer-hecking-vertraege-vw-bundesliga-li.3489180" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundesliga: Wie es beim VfL Wolfsburg nach dem Abstieg weitergeht - mit weiteren Millionen?</a><br>Ulrich Hartmann, Thomas Hürner<br>26.05.2026, 14:19</li>
<li id="source-7" value="7"><a href="https://www.northdata.de/VfL%20Wolfsburg-Fu%C3%9Fball%20GmbH,%20Wolfsburg/Amtsgericht%20Braunschweig%20HRB%20100486" target="_blank" rel="noopener noreferrer">VfL Wolfsburg-Fußball GmbH, Wolfsburg</a><br>North Data</li>
<li id="source-8" value="8"><a href="https://www.spiegel.de/sport/fussball/red-bull-leipzig-gegen-den-geist-der-50-1-regel-a-824548.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">RB Leipzig: Gegen den Geist der 50+1-Regel</a><br>Christoph Biermann<br>06.04.2012, 12:14</li>
<li id="source-9" value="9"><a href="https://www.bundeskartellamt.de/SharedDocs/Meldung/DE/Pressemitteilungen/2025/06_16_2025_50plus1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundeskartellamt sieht Nachbesserungsbedarf bei 50+1</a><br>16.06.2025</li>
<li id="source-10" value="10"><a href="https://rblive.de/news/mitgliederversammlung-oliver-mintzlaff-bei-rb-leipzig-als-aufsichtsratschef-wiedergewaehlt-4212543" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mitgliederversammlung: Oliver Mintzlaff bei RB Leipzig als Aufsichtsratschef wiedergewählt</a><br>09.03.2026, 10:34</li>
<li id="source-11" value="11"><a href="https://rblive.de/news/mitgliederversammlung-so-viele-mitglieder-hat-rb-leipzig-aktuell-3805701" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Elfte Mitgliederversammlung: So viele Mitglieder hat RB Leipzig aktuell</a><br>Ullrich Kroemer<br>13.03.2024, 13:58</li>
<li id="source-12" value="12"><a href="https://www.kicker.de/501-leverkusen-und-wolfsburg-behalten-sich-rechtliche-moeglichkeiten-vor-1126249/artikel" target="_blank" rel="noopener noreferrer">50+1: Leverkusen und Wolfsburg behalten sich &quot;rechtliche Möglichkeiten vor&quot;</a><br>Michael Ebert<br>17.06.2025, 15:55</li>
<li id="source-13" value="13"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/50%2B1-Regel" target="_blank" rel="noopener noreferrer">50+1-Regel</a><br>Wikipedia</li>
</ol>
</section>]]></content:encoded>
    </item>
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